Kurz gefasst
- Kernfrage
- Wer pflegt die Seite später und wie oft?
- Wichtigste Weiche
- Startseite als statische Seite, nicht als Beitragsliste.
- Häufigster Fehler
- Der Bauchladen aus Plugins statt eines klaren Seitenkonzepts.
Vor bald zwanzig Jahren war es eine kleine Provokation, eine Firmenseite auf einer Blogsoftware zu bauen. Heute ist es der Normalfall. Die Frage ist nicht mehr, ob WordPress das kann, sondern wie man es so aufsetzt, dass die Seite auch nach drei Jahren noch pflegbar ist.
Der Anlass für diesen Beitrag war ursprünglich ein kleines Maklerbüro, das seine erste Website ausdrücklich als Weblog haben wollte. Die Überlegung dahinter war schon damals richtig: Wer regelmäßig etwas zu sagen hat, braucht ein System, in dem Veröffentlichen keine Terminsache mit einer Agentur ist.
Wann WordPress passt und wann nicht
WordPress spielt seine Stärken aus, wenn Inhalte regelmäßig wachsen und von Menschen ohne technischen Hintergrund gepflegt werden. Es ist die falsche Wahl, wenn eine Seite ausschließlich aus fünf statischen Unterseiten besteht, die sich nie ändern, oder wenn im Kern eine komplexe Fachanwendung steckt und die Website nur deren Oberfläche ist.
Die ehrlichste Entscheidungsfrage lautet nicht "Was kann das System?", sondern "Wer pflegt das in zwei Jahren?". Ein System, das die Person im Betrieb bedienen kann, schlägt jedes technisch überlegene System, das niemand anfasst.
Die erste Weiche: Seiten statt Beiträge
WordPress startet als Blog. Für eine Firmenseite drehen Sie das um:
- Unter Einstellungen legen Sie eine statische Seite als Startseite fest und eine zweite Seite als Beitragsliste.
- Dauerhafte Inhalte wie Leistungen, Team oder Kontakt werden Seiten, nicht Beiträge.
- Alles mit Datumsbezug, also Neuigkeiten, Fachbeiträge, Referenzen, wird Beitrag.
- Die Permalink-Struktur stellen Sie einmalig auf Beitragsname um, bevor die erste Seite online geht.
Die Permalink-Struktur nachträglich zu ändern, wenn die Seite bereits indexiert ist, erzeugt hunderte umzuleitende Adressen. Diese Entscheidung gehört an den Anfang.
Rollen und Rechte
WordPress bringt fünf Rollen mit, und in der Praxis werden meist alle Beteiligten zu Administratoren gemacht. Das ist bequem und falsch. Wer Texte schreibt, braucht die Rolle Autor oder Redakteur. Administratorrechte bedeuten die Möglichkeit, Plugins zu installieren und damit beliebigen Code auszuführen. Je weniger Konten das können, desto kleiner die Angriffsfläche, siehe auch der Beitrag zu Updates und Sicherheit.
Redaktionsprozess statt Improvisation
Eine Firmenseite lebt oder stirbt mit der Frage, ob nach dem Launch noch etwas passiert. Drei Dinge helfen mehr als jedes Plugin:
- Ein fester Termin. Ein Beitrag pro Monat, im Kalender eingetragen, schlägt den Vorsatz, "regelmäßig" zu schreiben.
- Eine Themenliste. Jede Kundenfrage, die zweimal gestellt wurde, ist ein Beitrag.
- Eine Freigabe. Entwurf schreiben, prüfen lassen, veröffentlichen. Die Rolle Redakteur bildet genau das ab.
Wie man daraus ein tragfähiges Konzept macht, statt planlos zu veröffentlichen, steht im Leitfaden für Corporate Blogs.
Die typischen Fehler
- Der Plugin-Bauchladen. Für jede Kleinigkeit ein Plugin, am Ende vierzig Stück, von denen niemand weiß, welches was tut.
- Das überladene Multipurpose-Theme. Themes, die alles können, bringen einen eigenen Seitenbaukasten mit. Wechselt man das Theme, sind die Inhalte unbrauchbar.
- Kein Impressum, keine Datenschutzerklärung. Für geschäftsmäßige Seiten ist beides Pflicht, Details unter Impressumspflicht.
- Keine Testumgebung. Änderungen direkt an der Live-Seite sind so lange gut gegangen, bis sie es nicht mehr sind.
Häufige Fragen
Brauche ich einen Page Builder?
Der Block-Editor deckt heute ab, wofür man vor Jahren einen Builder gebraucht hat. Wer keinen zwingenden Grund für einen Builder hat, fährt ohne ihn schneller und wechselt später leichter das Theme.
Was kostet der Betrieb?
WordPress selbst ist kostenlos. Kosten entstehen für Hosting, Domain, gegebenenfalls Premium-Plugins und vor allem für Pflege. Zur Auswahl der Umgebung siehe WordPress-Hosting.